Pirantifa Unvereinbarkeitserklärung? Ich stelle das mal in Frage.

14 Gedanken zu “Pirantifa Unvereinbarkeitserklärung? Ich stelle das mal in Frage.”

  1. Die Erklärung ist schwafelig und uneindeutig. Es braucht daher eine Interpretation, aber Deine ist nur eine von vielen. Ich habe die Erklärung nicht so aufgefasst. Ich verstehe sie vielmehr so: Wer aktiv mit Forderungen nach Diskriminierung und Gealt gegen Menschen auf uns Piraten zukommt, mit dem diskutieren wir (darüber) nicht.
    Die Erklärung verbietet es nicht, mit Verbrechern oder Rechten zu sprechen. Für eine Diskussion sollen die Piraten aber keine Plattform bieten. So fasse ich den Kernsatz auf.
    Lustigerweise schließen sich viele Pirantifas mit der Erklärung selber aus. Jedenfalls dann, wenn sie gleichzeitig dafür eintreten, erlaubte Demonstrationen mit Gewalt zu verhindern, oder unliebige Meinungen durch die Zerstörung von Zugängen zu sozialen Netzwerken zu unterbinden. Das ist recht „reinrassige“ Diskriminierung und strukturelle Gewalt.

    M.E. sagt dieser verschwurbelte Text nicht viel mehr aus, als dass sich die Unterzeichner gegen Fremdenfeindlichkeit aussprechen und ihr entgegentreten wollen.
    Inzwischen kann ich mir vorstellen, dass der Text absichtlich so mehrdeutig abgefasst wurde. Verbunden mit sozialem Druck konnten so hunderte Piraten bewegt werden, ihn zu unterzeichnen. Gleichzeitig beanspruchen aber andere Deutungshoheit über das wirre anscheinend wirre Geschreibsel. Das geht leicht soweit, dass einzelne dann behaupten können, unter den Piraten seinen hunderte Anhänger der Antifa.

    1. „Die Erklärung ist schwafelig und uneindeutig. Es braucht daher eine Interpretation, aber Deine ist nur eine von vielen. Ich habe die Erklärung nicht so aufgefasst. Ich verstehe sie vielmehr so: Wer aktiv mit Forderungen nach Diskriminierung und Gealt gegen Menschen auf uns Piraten zukommt, mit dem diskutieren wir (darüber) nicht.“

      Dann dürfen die Piraten nicht mit sich selbst diskutieren. Denn diese Aussage IST eine Diskriminierung und fordert sie auch aktiv.

      Aber bitte weit so. Stellen wir uns weiter zu den linksradikalen Steineschmeißern. Denn so kommen wir langsam beim Wähler an.

  2. Gleich deine Eingangsinterpretation halte ich für falsch. Du behauptest die Erklärung würde definieren

    dass Menschen, die mit einem reden wollen, nicht mit einem reden wollen und man deswegen nicht mit ihnen redet

    Dabei steht in der Erklärung

    Wer jedoch mit [Dis­kri­mi­nie­rungs­for­men] und damit verbundener […] Gewalt auf uns zukommt, hat sich vom Dialog verabschiedet und ist jenseits der Akzeptanzgrenze.

    Oder noch kürzer ausgedrückt:

    Wer mit Gewalt auf uns zukommt, hat sich vom Dialog verabschiedet.

    Insbesondere den Gewalt ablehnenden Punkt übergehst du aber nonchalant und meinst auch noch schreiben zu müssen:

    Wir sollten es noch deutlicher machen, dass Piraten Gewalt ablehnen

    Merkst du eigentlich, dass du mit deiner Uminterpretation der Erklärung und der Behauptung, diese sei nicht mit den Parteigrundsätzen und der FDGO vereinbar, selber eine rote Linie ziehst und die Unterzeichnung der Erklärung zu einer Tat „jenseits der Akzeptanz“ definierst? Und das ohne Gewaltausübung der über 700 Unterzeichnenden, sondern lediglich aufgrund einer von diesen geäußerten Meinung zum Umgang mit Gewalt?

    1. Den Gewalt ablehnenden Punkt übergehe ich nicht nonchalant, sondern ich beachte die Formulierung sehr wohl. Im Anhang ist dargelegt, weshalb der Punkt in meiner Betrachtung unbedeutend ist. Die Erklärung unterstreicht, dass Diskriminierung stets mit Gewalt verbunden ist. Zusätzlich zeige ich einen Ansatz, aus dem man ableiten kann, dass Diskriminierung stets zu Gewalt führt, bzw. dass sie bereits per definitionem strukturelle Gewalt darstellt.

      Die Rote Linie zieht die Satzung. Ich glaube aber nicht, dass die ganzen 700 Unterzeichner jenseits der FDGO stehen. Ich vermute, der Großteil hat die Erklärung nicht oder anders interpretiert. Alleine der Umstand, dass Leute hier komplett unterschiedlich interpretieren macht für mich deutlich, dass die Formulierung keine klare Aussage darstellt und daher auch für eine Grundsatzerklärung ungeeignet ist. 700 Leute unterzeichnen was und verstehen etwas ganz unterschiedliches. Es gibt bestimmt mehr als unsere beiden
      Interpretationen.

  3. Es gibt viele kluge Analysen zu dem Thema, aber letzten Endes machst Du den gleichen Fehler wie alle anderen auch. Du bringst sachliche Argumente, aber Du hast es mit Fundamentalisten zu tun. Das interessiert die doch gar nicht.

  4. Ich verstehe deinen Punkt und kann ihn ihm Grundgedanken auch teilen. Allerdings finde ich es schade, dass du selbst auch von deiner eigenen Definition abweichst. Während du zu Beginn schreibst, dass es nur um die Unvereinbarkeitserklärung geht, bringst du doch die (teilweise verwerflichen) „Maßnahmen“ gewisser Gruppen in den Text ein (Spam melden, etc.). Das finde ich schade, weil es damit das Handeln einer Gruppe mit der Analyse eines Textes vermischt.

    Anderseits denke ich auch, dass die Vorstellung der meisten Unterzeichner eine andere ist, als die, die deine Analyse ergibt.
    Wie du ja geschrieben hast, ist der Text einfach zu schwammig und mit den Wünschen vieler Personen unvereinbar. Gerade Quoten erfüllen neben der Gleichberechtigung auch die zwangsläufige Diskrimininierung. Damit müssten sich, bei deiner strikten Auslegung des Textes, einige Gruppen auflösen, weil sie automatisch diskrimieren. Daher werden diese Gruppen den Text wohl anders aufgefasst haben müssen. Hoffentlich liberaler als diese Analyse es zeigt.

    Leider ist manchmal der Aktionismus vor dem Denken, besonders bei einigen Gruppen, sehr beliebt. 😦

    1. Das stimmt, die Erwähnung dieser „Maßnahmen“ trägt sachlich nichts bei und ist fehl am Platze.

      Ich vermute ebenfalls, dass die meisten Unterzeichner keine Fürsprecher des Verhaltens sind, das sich aus meiner Analyse ergibt. Ich sehe gerade, dass mit dem letzten Umbau die Frage, ob man einen Text, den man derart unterschiedlich verstehen oder interpretieren kann, als Grundsatzerklärung verwenden sollte, in den Anhang gerutscht ist. Mal sehen, ob ich diesen Punkt nochmals weiter oben anbringen kann.

  5. Ich denke ja, das beide Parteien hier darüber streiten, ob das Bild an der Wand weiß oder leer ist.

    Wenn ich aber gezwungen wäre mich zu entscheiden, wer recht hat, dann wäre dies für mich Jürgen.

    Es wird sich letzten endes tatsächlich auf jegliche form der Diskriminierung bezogen und damit wird der Satz zur Schrotflinte wo man eher ein Skapell benötigt. Umformulieren und fertig. Dann kann man wieder wichtigeres angehen.

  6. Ich denke, verkürzt verstehen wohl die meisten die Unvereinbarkeitserklärung als: „Wir treten nur im demokratischen Dialog mit den (Menschen), der die demokratischen Spielregeln, also die Demokratie anerkennt und jedem Menschen alle Menschenrechte zugesteht.“ Das macht Sinn, weil anders auch kein gemeinsamer Nenner innerhalb einer Debatte geben kann. Wenn jemand der Meinung ist, nur weiße Menschen hätten ein Recht auf Leben ist diese Meinung doch für Dich hoffentlich nicht akzeptabel, also verhandelbar?!

    1. Das Problem mit der Erklärung ist, dass viele Menschen was unterschiedliches darunter verstehen. Meine Schlussfolgerung ist, wenn man die Erklärung zu ende denkt, sieht es für Parlamentarismus schlecht aus.

      Die Formulierung der Erklärung ist ungünstig, ich meine ungeeignet. Deine Formulierung hat schon wieder eine ganz andere Aussage. Die NPD existiert als Partei, weil sie die demokratischen Spielregeln anerkennt und danach handelt. Sonst wäre sie verboten. An den Reaktionen zu meinem Artikel wird aber erkennbar, dass es den Leuten gerade darum geht, nicht mit solchen Leuten zu reden oder zusammen zu arbeiten. Es ist nicht trivial.

      Ich gehe auf Menschen, die ich nicht kenne, offen zu. Da ist mir egal, was für Kleidung sie tragen, oder wie ihre Haut aus sieht, oder ob sie einen Pass haben, oder welchen. Menschen zu töten lehne ich Grundweg ab (einvernehmliche Sterbehilfe ist hier eine Ausnahme). Das Thema ist für mich nicht Verhandelbar. Das bedeutet, ich werde meine Position nicht ändern. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht mit den Menschen, die das anders sehen nicht rede. Schließlich ist es mir ein Anliegen, diese Menschen davon zu überzeugen, dass deren Einstellung nicht so dolle ist.

      Ich selbst komme aus einer Familie, die um die 5 Fluchten hinter sich hat. Die erste meiner Großmutter war noch vor dem Krieg. Nationalismus war auch im Vorkriegs-Polen ein Problem. Meine Großmutter stand zu Kriegsende auch schon mal mit ihren Kleinkindern vor der Wand, zum Erschießen. Es wurde dann doch nicht geschossen. Der verantwortliche hatte Skrupel, auf die Kinder zu schießen.

  7. Wir haben eine klare und unmißverständliche Aussage in unserer Bundessatzung §1 Abs. (1). Die – wenn auch in Ihrer Intention wohl gut gemeinte – Pirantifa Unvereinbarkeitserklärung ist daher überflüssig, wenn nicht sogar schädlich, da sie Zeit und Kraft auf bereits eindeutig Determiniertes verwendet,einen Nebenkriegsschauplatz eröffnet und uns von unserer ursprünglichen Aufgabe, die Demokratie durch den aktiven gewaltfreien Kampf gegen die Aushöhlung der Rechte des Einzelnen durch stattlich oder wirtschaftlich determinierte Ausspähung zu verteidigen und die Mitentscheidungskompetenz des Einzelnen durch Veröffentlichung von Entscheidungsstrukturen und Gründe (Transparenz staatlichen Handelns) zu stärken, abhält. Zitat aus der Bundessatzung: „Totalitäre, diktatorische und faschistische Bestrebungen jeder Art lehnt die Piratenpartei Deutschland entschieden ab.“ Darunter fällt logischerweise auch Linksfaschismus (auch den gibt es, er wird aber gerne ausgeblendet). Die Blindheit auf diesem Auge ist aber nicht mehr zu übersehen. Die Mitgliedschaft in der Piratenpartei ist aber auch ein Bekenntnis gegen Faschismus jeder Art. Einigen von denen, die das zu Beginn ihrer Mitgliedschaft nicht verstanden hatten, mußte das erst deutlich gemacht werden. In Fällen wie dem des PiratenPower hat das gedauert, aber wir sind ihn dann doch los geworden. Und das ist gut so. In diesem Sinne hoffe ich ein wenig positiv auf die Diskussion wirken zu können. Bleibt wachsam und haltet beide Augen auf.

  8. „Ernste Frage: Nimmst du mich als Gesprächspartner und Menschen ernst?“
    Und wie! Sonst würden sie nicht so wütend angreifen.

  9. „Wer [..] mit Ideen von [..] Dis­kri­mi­nie­rungs­for­men und damit verbundener struktureller und körperlicher Gewalt auf uns zukommt, hat sich vom Dialog verabschiedet und ist jenseits der Akzeptanzgrenze.“

    Der Unterzeichner so eines Satzes macht genau das: Er wirkt mit der Unterschrift auf strukturelle Gewalt hin, die da lautet ein anderer Mensch oder auch „nur“ die Diskussion mit ebensolchem sei „jenseits der Akzeptanzgrenze“. Mit den daraus resultierenden Konsequenzen.

    Das ist weitergehend als die jederzeit mögliche persönliche Ablehnung eines Gespräches mit einer bestimmten Person, denn es verdammt pauschal, ohne einen möglicherweise gangbaren Weg „der Besserung“ zu offerieren. Denn Besserung im Sinne von Wiedereinkehr humanistischer Vernunft kann natürlich nur durch Diskussion offenbart oder vielleicht auch erst gelernt werden.

    Hier schafft sich die Antifa ein Werkzeug der Diskreditierung und Stigmatisierung.

    Ein Werkzeug der Meinungshoheit innerhalb der Piratenpartei, frei nach „Bist Du nicht für mich, dann bist Du gegen mich!“. Widerlich. Schade, wenn Humanisten auf soche Bauerntricks hineinfallen sollten.

    Es bedarf der politischen aufklärenden Diskussion auch des politisch Ablehnenswerten. Denn nur dadurch wird eine Besserung ohne Blutvergießen überhaupt erst anstrebbar gemacht. Wer die Diskussion verdammt, der plädiert zwischen den Zeilen für Gewalt als irgendwann einzig verbleibendes Mittel.

  10. Hallo Jürgen,

    habe ein wenig auf deinem Blog gelesen. Passt soweit alles ganz gut so. Laß dich nicht unterkriegen du bist auf der „richtigen piratigen“ Seite. Es wird ein schwerer Kampf werden um diese zerstörerischen Leute loszuwerden. Es wird viel Kraft und Mühe kosten und leider werden viele tolle Menschen darunter leiden und auch austreten oder in die Passivität gehen. Es ist aber die letzte Schlacht die geschlagen werden muß. wir sind die Extremrechten losgeworden und werden auch die Hetzer, Mobber und Beleidiger los egal welcher Richtung sie sich zugehörig wähnen, oder die Partei wird von der Bildfläche verschwinden.

    Bestes und alles gute

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