In 8 Jahren ist das Gas alle – mit oder ohne Fracking

4 Gedanken zu “In 8 Jahren ist das Gas alle – mit oder ohne Fracking”

  1. Dieser Beitrag ist unvollständig und damit (bewusst?) irreführend.

    Die sicheren und wahrscheinlichen Reserven von ca. 120 Mrd. m³ in den bekannten, also erschlossenen Lagerstätten haben noch eine statische Reichweite won 10 Jahren gemessen an der gegenwärtigen Förderung.

    In dieser Menge nicht enthalten sind die ca. 150 Mrd. m³ Ressourcen in unerschlossenen Tightgaslagerstätten sowie die bedeutenden Potenziale in Schiefergaslagerstätten von vorsichtig geschätzt 700 bis 2.300 Mrd. m³. Diese Ressourcen lassen sich nur mithilfe des Fracverfahrens gewinnen und stellen ein bedeutendes Potenzial dar.

    Hinzu kommen noch die Ressourcen in Kohleflözen, die immerhin bei ca. 400 Mrd. m³ liegen.

    Rechnen wir 150 Mrd m³, 1.300 Mrd. m³ (Mittelwert zwischen 700 Mrd. m³ und 2.300 Mrd. m³ ) und die 400 Mrd. m³ zusammen, kommen wir auf 1.850 Mrd. m³. Ein Potenzial, dass die bisher in D abgeförderte Menge von 1.000 Mrd. m³ erheblich übertrifft!

    1. Guten Tag,

      den Vorwurf der bewussten Irreführung weise ich zurück.

      Die von Ihnen genannten Zahlen zu den Lagerstätten und zum Tightgas stammen aus dem Jahr 2013 und sind in den verlinkten Dokumenten ebenfalls genannt. Sie weichen von den Zahlen aus 2014 entsprechend ab.

      Ob Fracking die Reichweite verlängern könnte, kommentieren Bergamt bzw. Landesregierung in den verlinkten Dokumenten so:

      „Eine zwangsläufige Verlängerung der statischen Reichweite der Reserven ist damit jedoch nicht verbunden, da das in der Lagerstätte vorhandene Erdgas nach der Frack- Maßnahme mit einer erhöhten Produktion aus der Bohrung gefördert wird.“

      D.h. man bekommt zwar mehr Gas, aber auch das neue Gas ist möglicherweise so schnell gefördert, wie man am anderen Gas noch fördern kann. Sprich, man hat zwar mehr Menge, aber nicht zwangsläufig mehr Jahre. Es kommt hier sicher auch auf die Gier der beteiligten Menschen in den Unternehmen an, wie schnell die das Gas raus holen.

      Leider geben Sie Ihre Quellen nicht an. Ich vermute aber dass Sie Ihre Zahlen auch von hier haben: http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Energie/Downloads/BGR_Schiefergaspotenzial_in_Deutschland_2012.pdf

      In einem älteren Beitrag bin ich auf Basis dieser mit Spannung erwarteten und Staunen aufgenommenen Fracking Studie aus 2012 ebenfalls auf zu erwartende Fördermengen und Zeiträume kurz eingegangen. https://stemke.piraten-nds.de/2013/06/10/fracking-irrtuemer-zu-schiefergas/

      Die Schätzungen über die förderbaren Vorkommen in Deutschland schwanken danach stark und gehen von 0,227 Bill m3 bis 1,3 Bill m3. Die erste Zahl war die Schätzung durch die US-amerikanische Energiebehörde, vor Erscheinen der oben verlinkten Studie, die letztere ist das Mittel aus der o.g. Studie aus 2012, die zwischen 0,7 und 2,3 Bill m3 schätzt.

      Inzwischen wurden zahlreiche der damals als höffig erachteten Fracking-Gebiete und bereits reservierte Claims (Erlaubnisfelder) wieder aufgegeben. Bei manchen Gebieten sagt die Politik auch klar, dass dort nicht gefrackt werden soll (und vergibt dennoch auch in solchen Gebieten neue Erlaubnisfelder).

      Die Unsicherheit der Schätzung des Potentials wird nicht zuletzt auch in der sehr weiten Spannbreite des Ergebnisses der Studie deutlich 0,7 … 2,3 Bill. m³ (1,3 ist da nicht der Mittelwert, das wäre 1,5, es ist das statistische Mittel der Schätzungs-Ergebnisse. D.h. die Experten tendieren eher zu einem niedrigeren Wert.) Die Werte entstammen aus einer Mote-Carlo-Simulation, also einem Zufalls-Experiment, bzw. einer großen Reihe daraus. Das Experiment hat ergeben, dass mit den für die Simulation angegebenen Rahmenbedingungen vermutlich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit diese förderbaren Vorkommen vorliegen.

      Die Studie weist ausdrücklich auf die „unsicheren Eingabeparameter“ hin, zum Beispiel dass keine Erkenntnisse darüber vor liegen, wie sehr das Gestein in Deutschland mit Wasser gesättigt ist, dem Gas-Wasser-Verhältnis und zur Porosität des Gesteins. Hilfsweise übernimmt man Annahmen aus US-amerikanischem Gestein.

      In wie weit diese Annahmen in Europa gültig sind, weiss ich nicht. In Polen scheint das Fracking weniger erfolgreich zu sein als erhofft, Zahlen habe ich dazu jedoch noch nicht recherchiert. Auch gab es dort schon allein durch seismische Untersuchungen Kontamination von Trinkwasser & Brunnen, was zu großer Aufregung in der Landwirtschaft führte.

      Die Debatte um die Menge lässt zudem die Frage außen vor, ob man das Gas wirklich benötigt, wenn es ohnehin schnell aus geht und man ohnehin Alternativen benötigt und man das Gas ggf. später auch für sinnvollere Dinge verwenden könnte, als es in CO2 zu verwandeln und in der Atmosphäre zu lagern.

      1. Kurzer Nachtrag zu Polen:
        Ein Leser hat mich darauf hingewiesen, dass nach ersten Fracks in Polen die Erwartungen dort inzwischen um bis zu 90% nach unten korrigiert wurden. D.h. man schätzt, dass man nur 10% des ursprünglich erwarteten Potentials fördern könnte. Wesentliche Unternehmen haben inzwischen wieder komplett aus Polen zurück gezogen. Aktuell würde noch eine Prognose von 0,7 Bill. m3 genannt.

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