Gendern ist Mist !?

2 Gedanken zu “Gendern ist Mist !?”

  1. Ich glaube, bei den Geschlechtern von Fremdworten ist der Wunsch der Vater des Gedankens. Oder die Mutter. Es heißt etwa DIE e-Mail. Warum auch immer. Kein Mensch sagt der Mail.
    Eine andere Theorie meint, der Genus von Fremdworten wird an ein naheliegendes deutsches Wort angepasst – die Post vermutlich, denn der Brief würde ein anderes Ergebnis bringen. Das Baguette ist als das Brot im Deutschen unbedingt sächlich, im Französischen weiblich. Sehr auffällig ist es bei den geschlechtsneutralen japanischen Bezeichnungen im Judo. Würfe sind samt und sonders männlich, Würgen und Festhalten weiblich, Hebel wiederum männlich. Ich finde diese Theorie ziemlich überzeugend und sehe sie immer wieder bestätigt. Ein Anglist hat mir letztens erklärt, wie brauchten den Genus vor allem dazu, um eindeutige grammatische Beziehungen herzustellen, und mit Geschlecht hätte das gar nichts zu tun. Klingt auch irgendwie logisch, erklärt aber nicht, warum mich „das Mädchen“ grammatisch in den Wahnsinn treibt.

    1. Ich arbeite noch an einem Artikel, der die Entwicklung der Genera zum Thema macht. Der Genus eines Substantivs hängt von der Art des Wortes und/oder dessen Bildung/Endung ab, zumindest in dem Moment, wo das Wort entsteht oder sich durchsetzt. Deswegen ist auch „Mädchen“ ein Neutrum, weil alles mit „chen“ am Ende, bzw. jede Verkleinerungsform ein Neutrum ist. Bübchen auch. Wäre Mädchen weiblich, müsste man im Plural die Mächchenen sagen? Wäre Bübchen männlich, müsste es im Dativ Plural wohl den Bübchenen heißen? Was würde da Dein Wahnsinn machen? 😉

      Das mit der Mail ist mir auch schon aufgefallen. Ich vermute das ist ein Sonderfall.

      Nach der obigen Regel müsste es eigentlich maskulin werden, wie du angemerkt hat. Ist es aber nicht. Das liegt vermutlich daran, dass neue Wörter, die aus anderen Sprachen übernommen werden auch zunächst instantan qua Verstand ein Geschlecht zugeordnet bekommen können. Das ist oft das Geschlecht eines Synonyms, also was du vermutest. Das ist bei der Mail passiert. Das hat am Anfang im deutschen Sprachraum nur eine kleine Gruppe Menschen verwendet und die haben sich auf einen Genus geeinigt. In der Regel ist das dann ein Neutrum (das Blog). Im Deutschen hat sich in Deutschland bei Mail jedoch das Femininum durchgesetzt, in der Schweiz heißt es dagegen das Mail (vielleicht auch angelehnt an ein verkürztes „das Mailing“?). In Österreich sind beide Genera gleich häufig üblich. Die Handlung mit Mails umzugehen ist wieder klar ein Neutrum, das Mailen. Dass man sich daran erinnert, dass Mail von der indo-germanischen Wurzel malhō kommt, das feminin ist, vermute ich eher nicht. 🙂 Kurz: Ich weiß nicht, warum es die Mail heißt. Man müsste wen fragen, der sich aus kennt. Achja, die meisten Menschen sagen inzwischen „der Blog“.

      Zum anderen Beispiel zu speziellen Fachwörtern ist das Zölibat. In der Alltagssprache heißt es klar das Zölibat. Es beschreibt die Handlung der Enthaltsamkeit. Logisch nach Sprachzentrum muss es also das Zölibat heißen und das hat sich auch durchgesetzt. Bei den Fachleuten, die von dem Zölibat betroffen sind, heißt es allerdings der Zölibat. Das kommt, weil die auch lateinisch sprechen und das Wort aus dem Lateinischen kommt und dort maskulin ist. Man hat in Fachkreisen das Geschlecht bei der Übersetzung beibehalten und per Verstand gesetzt. Hier kann man schön sehen, wie das Sprachzentrum kurz stolpert, wenn man sich nicht an seine Regeln hält.

      Baguette könnte auch ein Neutrum sein, weil es auf ein Diminutiv zurück geht. Es geht zurück auf das Stöckchen, also wie Mädchen. Ich weiß aber nicht, warum sich das das durchgesetzt hat. Einige Leute nutzen das Baguette weiblich. Erfunden hat das Baguette übrigens ein Wiener, also einer, der eigentlich deutsch spricht.

      Zu der Theorie, dass man in der Regel immer den Artikel nimmt, der in der Quellsprache üblich war, oder der einem vergleichbarem Wort im Deutschen passt, gibt es auch Gegenbeispiele. Es müsste dann zum Beispiel der Schokolade heißen. Das -de impliziert aber „weiblich“ (Schublade, Marmelade, , ). In den Regionen, wo Schokolade tatsächlich maskulin ist, wird aus dem -de ein -d. Der Schoklad. Auch gibt es Beispiele, die gegen die These sprechen, dass man einen Genus aus dem deutschen Synonym übernimmt: Der Shit (die .. genau), der Slide (die Folie), der Link (die Verbindung, das (Binde-)Glied), der Gig (das Konzert), der Song (das Lied), usw.

      Es steckt also scheinbar mehr dahinter.

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