Lingua Genus Feminismus

2 Gedanken zu “Lingua Genus Feminismus”

  1. Ein ergänzender Input zum „gendern“:
    Ich habe mir erst kürzlich den Kopf darüber zerbrochen, weshalb die formelle Anrede im Deutschen Herr (Professor, Doktor, Gauland, …) ist und demgegenüber Frau (Doktor, Professor, Merkel, …).
    Das Gegenstück zu Mann ist Frau, zu Dame Herr, weshalb also nicht Dame Doktor/in oder Mann Lehrer?
    Dann noch dämlich und herrlich, Frauenheld und Schlampe – um nur einige zu nennen – gibt es eigentlich in irgendeiner anderen Sprache eine so deutliche, das Weibliche herabwürdigende, maskuline Dominanz? – vielleicht wäre es Zeit für eine neue, genderkritische Sprachreform – also, nur um sicher zu stellen, dass all die Menschen die jetzt im deutschen Sprachraum ankommen und sich mit dieser Sprache konfrontiert sehen kein falsches Bild über die hier üblichen Geschlechterverhältnisse erhalten …

    Die Sprache erklärt uns die Welt! Wir denken in Worten. Was wir hören, was wir lesen, wie wir sprechen, wie wir schreiben: Nichts formt und bewegt uns, nichts bereichert uns mehr, nichts prägt unsere Rolle unter den Menschen stärker, als unser Umgang mit der Sprache und gerade deshalb sollten wir sorgsam mit ihr umgehen.

    1. Hallo,

      danke für den Kommentar. Ich habe mich etwas reflexartig auf einige von dir genannte Wörter gestürzt, denn du vermischt Worte, die eigentlich ein false Friend sind.

      Frau kommt von vrouwe, das von frouwa (man Beachte die Endung a, die dem Wort das weibliche Genus verschafft). Es hat die Bedeutung von Herrin/Herrscherin und ist das Feminimum zu frawjon, dem Herren. Beides ist wohl auch verwandt mit den Göttern Freija (weiblich) und Freyr (männlich). Die Bezeichnungen sind Erweiterungen des noch älteren indogermanischen *per- (=vorn, früh) *pre-wo- (=vorderer) vergleiche auch lateinisch Primus. (siehe auch die Lautverschiebung, von P -> F (Pater -> Vater; pre -> fre)

      Wie man sieht, ist etymologisch Frau nicht das Gegenstück zu Herr, sondern das direkte männliche Gegenstück wird heute kaum noch verwendet. Bevor es aus der Mode kam entwickelte es sich weiter über „vir“ nach wer und steckt noch in so Worten wie „Werwolf“ = mannswolf.

      Herrlich hat nicht direkt etwas mit Herr zu tun. Es kommt von herlik und ist einige hundert Jahre älter als „Herr“. Beide haben jedoch die gleiche Wurzel, hehr, die „grauhaarig“ bedeutet, mit dem Bezug „Achtung vor dem Alter“, ehrwürdig, und sich im Deutschen zu vornehm weiterentwickelte. Dieses hehr hat um das 8. Jhdt. das Wort Senior ersetzt, in der Bedeutung „der Ältere“, die graue Eminenz. Der Herr im Haus war der Senior, der älteste. Auch hierzu gibt es eine direkte weibliche Form: Die Herrin. Hier ist die Bedeutung mehr erhalten geblieben, wohingegen das Wort Herr seine starke Bedeutung verloren hat. Bei „Herrin Doktor“ oder „Ja, Herrin Anastasia“ schaltet das Sprachzentrum eine ganz andere Beziehung, als bei „Herr Doktor“ oder „Ja, Herr Müller“.

      Vom Inhaltssinn haben beide Worte, Herr und Frau von ihrer Ableitung her eigentlich die Bedeutung, die Herrschende Person zu sein. Es sind Synonyme mit unterschiedlichen Wurzeln.

      Dämlich hat mit Damen noch weniger zu tun, als herrlich mit Herrin. Hier ist nicht einmal der Stamm identisch.

      Dämlich geht zurück auf dämeln, im Sinne von nicht ganz helle sein, ist verwandt mit der Dämmerung, dämmern. Man hat das Halbdunkel auf die geistige Leistung einer Person übertragen. Das einer nicht ganz helle ist, ist auch heute noch ein geflügeltes Wort.

      Dame wurde aus dem spanischen und itallienischen dama übernommen, von domina. Es hat die Bedeutung von (Haus-)Herrin. Auch hier gibt es ein männliches Wort, den Domus. Dieses hat sich im Deutschen nicht durchgesetzt, das Domizil hingegen schon. Bei der Übernahme des Wortes Dame dachte man nicht im Traum daran, die Person abzuwerten. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Die Person sollte gegenüber anderen Menschen nochmals aufgewertet werden. Eine Dame ist auch heute noch „was besseres“. Sie benimmt sich damenhaft, nicht dämlich.

      Das Sprachzentrum kann ganz gut mit Sprache umgehen, ganz natürlich und automatisch. Es stolpert, wenn etwas komisch wird, wie „Dame Doktor“. Man merkt sofort, das passt irgendwie nicht, selbst wenn man nicht erklären kann, woran das liegt. Das Sprachzentrum bringt Dame auch nicht mit dämlich in Verbindung, das macht allenfalls der Verstand, insbesondere wenn er kreativ wird, sei es hier aus Frotzelei, um mit dem Wortspiel jemanden zu ärgern, oder weil er was nicht versteht.

      Das ist ähnlich, wie Mantel auch nichts mit Männern zu tun hat. Mantel wurde ebenfalls einfach aus einer anderen Sprache geklaut, hier dem Keltischen.

      Schlampe kommt von „schlottrig herunterhängen“ im Sinne von unordentlich, und den Schlamper gibt es auch, genauso wie das Schlampermäppchen, mit dem man „so ein bisschen“ Ordnung schafft. Was du hier ansprichst sind eher gesellschaftliche Stigmata, weniger Eigenschaften der Worte. Auch das Wort Frauenheld kann negativ gemeint sein, wenn es nicht in das Rollenbild passt. Z.B. wenn man meint ein Mensch sei z.B. unzuverlässig, weil er eben lieber Frauen im Sinn hat, als z.B. die Arbeit, oder ein Versprechen, oder weil er durch sein Verhalten Ärger anzieht. Der Typ ist nicht ernsthaft und nicht ernst zu nehmen, oder einfach problematisch bis unehrenhaft.

      Ich kenne Frauen, die bezeichnen sich selber als Schlampen, deuten das Wort um und bauen sich daran auf. – und das nicht erst seit Liedern wie diesem wie ich finde wunderschönem: https://www.youtube.com/watch?v=xLRQ4I7HiDA

      Es gibt auch genug Worte mit maskulinem Genus oder Ursprung, die herabwürdigend sind. Idiot, Spinner, Depp, Hundsfott, Spacko oder Män­ne­ken, um nur einige zu nennen. Die Worte und ihr Genus haben nichts mit dem Sexus der Person zu tun, die man damit abwerten will. Das passiert allenfalls, wenn man sich das einredet. Ich finde das ziemlich sexistisch, wenn man behauptet, eine Frau oder das Kind könne kein Depp sein, oder ein Typ kein Schlamper. 😉

      Worum es mir in diesem Artikel geht ist, wenn Sprache plötzlich aus politischen Motiven umgedeutet und missbraucht wird, und dazu im Falle Gendern noch auf ganz falschen Annahmen.

      Was mir im Bezug mit den nun hier behandelten Wörtern auffällt ist, dass man trotz dem die Worte die elben sind, nur einmal mit männlichem genus, einmal mit weiblichem, dass sich dennoch die Bedeutung im Bezug je nach Genus verändert hat.

      Eine Schlampe ist eine Person, die nach dem Empfinden einer „Kontrollinstanz“ sich sexuell falsch, nicht rollengerecht oder unehrenhaft verhält.
      Ein Schlamper ist eine Person, die unordentlich ist.
      Selbes Wort, aber je nach Genus eine andere Bedeutung.

      Ich denke, wenn man Gendert, dann ist das ähnlich. Die Bauarbeiterin oder die Managerin wird im Kopf mit einem Rollenklischee verbunden. Nutzt man einen generischen Begriff, steht das Berufsbild im Vordergrund. Redet man den Menschen ein, der generische Begriff würde nur rein männliche Personen repräsentieren, verschärft man das Problem nur noch. (Wobei die Beispiele hinken. Schlampe ist keine Erweiterung von Schlamper. Beide Worte sind generisch, ähnlich wie „leuchten“ -> Leuchte und Leuchter; „backen“ -> Gebäck und Bäckerei;)

      Du hast andere Sprachen angesprochen. Wenn man das tut, dann fällt auf, dass man z.B.in den nordeuropäischen Ländern nicht gendert, obwohl man es könnte, und gerade dort ist die Situation zur Gleichberechtigung am besten. Gleichzeitig fällt einem dort auf, dass die Menschen seither verstärkt „rollentypische“ Berufe ausüben, etwas was in Deutschland vom Feminismus genauso verteufelt wird, wie das nicht-Gendern. Wenn hier Frauen wollen, dass mehr Frauen Bauarbeiter werden, dann sollen sie doch bitte selber Bauarbeiter werden und sich nicht aufregen, dass andere Frauen nicht wollen.

      Die meisten Sprachen sind Sprachen, die ganz ohne Genus auskommen, also 100% geschlechtergerecht sind, Chinesisch, Kurdisch, Arabisch, Japanisch, … und trotz gerechter Sprache stehen diese Länder bei der Gleichberechtigung ziemlich abgeschlagen da. Es liegt nicht an der Sprache, es liegt an der Gesellschaft. Sprache selbst ändert das Sozialverhalten einer Gesellschaft nicht. Politisches indoktrinieren durch Sprache hat hingegen schon Effekte. „Wertstoffentsorgung“ klingt einfach sorgenfreier als „Müll nach CO2 wandeln und in die Atmosphäre pusten“, Ausmerzen klingt weniger konkret, als ermorden.

      Die deutsche Sprache hat gerade die Besonderheit, dass sie zwischen dem Genus in der Grammatik und dem Sexus von Objekten abstrahiert. Das löst Probleme, mit denen sich viele andere Sprachen herumschlagen. Wenn wir Gendern einführen, wird die Sprache schwerer verständlich und unlogisch.

      Ist Dir irgend eine andere Sprache bekannt, bei der man das Gendern einführen möchte? Englisch, zum Beispiel? Macht man es dort? Man macht es nicht. Ein Manager ist ein Manager, egal welches Geschlecht, und keine Manageress. Keine Diskriminierung schon im Satzbau.

      Siehe auch meine anderen Artikel zum Thema Gendern.

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